Folkrevival
Mit dem Aufkommen alternativer Denkmodelle und Lebensentwürfe kam es vor allem in Ländern wie England, Irland, Frankreich, den Beneluxländern, Italien, Schweden, später auch in Mitteleuropa zu einer Hinwendung zu den teils verschütteten, teils jedenfalls bedrohten Volksmusiktraditionen der jeweiligen Regionen, die nun als Alternative zu herrschenden Popularmusikformen gesehen wurden - Folk und trad. Musik wurden dabei als inhaltlich relevanter und den menschlichen Grundbedürfnissen näher als z.B. Rock, Popmusik oder Schlager betrachtet.
Dieses Folkrevival fand in unterschiedlichen Ländern jeweils ganz eigene Formen, es umschloss unter anderem:
* Das Erlernen selten gewordener oder ausgestorbener Instrumente. Zum Teil wurde autodidaktisch und anfangs oft frech und durchaus dilettantisch drauflos probiert, zum Teil auch von erfahrenen, oft alten und in Vergessenheit geratenen Dorfmusikanten gelernt. In späteren Phasen des Revivals wurden oft traditionelle Spieltechniken verfeinert und so das technische und das Ausdrucksrepertoire von Instrumenten erweitert. Auch der Bau solcher Instrumente nahm im Rahmen des Revivals eine aufstrebende Entwicklung, die mit den musikalischen Bedürfnissen nachkommender junger Musiker durchaus Schritt hielt.
* Eine Erneuerung des Repertoires: das betraf zunächst vor allem die Hinwendung zu vergessenen Tanz- und Liedmelodien, wie sie oft in alten Handschriften und Sammlungen festgehalten worden waren. Dies schloss eine Neuinterpretation, bei Texten auch eine Aktualisierung (Repolitisierung) mit ein. Texte wurden zu hergebrachten Melodien neu verfasst, oft mit politischen und emanzipatorischen Inhalten bzw. tagespolitischen Bezügen. Ebenso wurden Melodien neu komponiert, sowohl zu Liedern wie in der Tanzmusik, wobei zum Teil versucht wurde, einfühlsam sich die stilistischen Konventionen von best. Traditionen anzueignen, zum Teil auch, diese durch neue Elemente, z.B. aus der Rock- oder Jazzmusik, zu ergänzen.
* Das Experimentieren mit zuvor unüblichen Besetzungen, wobei die Möglichkeit, elektrifiziert zu spielen zuvor problematische Instrumentenkombinationen oft erst ermöglichte, jedenfalls aber erleichterte.
Webseite: www.nmz.de/nmz/nmz1998/nmz05/jazz-pop/weltmuse.shtml - Die Folkmusik-Szene in Frankreich unter die Lupe genommen
