Dudelsack
Grundprinzip:
Der Dudelsack gehört zu den Blasinstrumenten (Aerophonen). Im Prinzip stellt jeder Dudelsack ein gekoppeltes System von (meist) mehreren Rohrblattinstrumenten der Klarinetten- und/oder Schalmeienfamilie dar. Diese werden dabei nicht direkt vom Mund geblasen, sondern - und das ist die namensgebende Besonderheit - über einem luftdichten Sack, meist aus Leder, mit Luft versorgt. Dieser Sack wird durch regelmäßiges Einspeisen von Luft (Atem des/r SpielerIn oder aber von einem Blasbalg unter einem Arm des Spielers) permanent unter Druck gehalten.
Die meisten Dudelsäcke haben eine Spielpfeife (für Melodiespiel) sowie ein bis drei Bordune: letztere liefern einen gleichbleibenden Ton oder Zusammenklang von Tönen, meist im Bassbereich, der die Melodie grundiert. In einfacheren Fällen lassen sich mit der Spielpfeife diatonische Melodien von ca. einer Oktave Tonumfang spielen. Wie viele andere Blasinstrumente auch wurden Dudelsäcke vielerorts mit wachsenden spieltechnischen Anforderungen weiterentwickelt, sodaß Tonumfänge von z.B. eineinhalb Oktaven, oder auch chromatisches Spiel möglich wurden.
Typen
Dudelsäcke gab und gibt es in ganz Europa - im Gegensatz zur klanglich verwandten Drehleier haben sie sich in vielen Regionen gehalten, sodaß es auch heute noch zahlreiche regionale Typen (wohl weit mehr als einhundert!) gibt, die in instrumentenbaulicher, klanglicher und spieltechnischer Hinsicht ganz große Unterschiede aufweisen. Eine grobe Unterscheidung lässt sich dabei in westeuropäische Dudelsacktypen (Spielpfeife meist mit einem Doppelrohrblatt), und osteuropäische (Spielpfeife meist mit einfachem Rohrblatt) treffen.
* Westeuropäische Dudelsäcke: trotz eines vor allem im deutschsprachigen Raum vorherrschenden Vorurteils ist der Dudelsack nicht hauptsächlich in Schottland zu finden und stammt auch nicht ursprünglich von dort. Allerdings sind die schottischen Highland Pipes wohl der lauteste und klangmächtigste unter den europäischen Dudelsäcken, bei weitem aber nicht der einzige und auch nicht der mit den größten musikalischen Möglichkeiten.
In den letzten Jahren einem breiteren Publikum bekannt geworden sind der irische Dudelsack, die Uilleann Pipes, mit ihrem durchdringend nasalen Ton und großen spieltechnischen Möglichkeiten und die galizische (nordwestspanische) Gaita mit ihrem klaren und durchdringenden, zugleich aber auch leichtfüßigen Klang.
Daneben hat sich im Bordunmusikrevival in Mitteleuropa eine Familie eng verwandter Dudelsäcke mittlerer Lautstärke durchgesetzt, die im deutschsprachigen Raum allgemein Sackpfeifen genannt werden. Dazu gehören die franz. Cornemuse, die im 19. Jhdt. ausgestorbene deutsche Schäferpfeife und der ebenfalls wiederbelebte flämische Dudelsack.
Erwähnenswert sind weiters von den britischen Inseln: Northumbrian Pipes (Nordengland), Border Pipes (Südschottland), English Smallpipes (England). Aus unterschiedlichen französischen Regionen: Biniou koz (Bretagne), Veuze (Vendee), Cabrette (Auvergne), Chabrette (Limousin/F) und manche mehr.
* Osteuropäische Dudelsäcke:
Viele der osteuropäischen Dudelsäcke haben eine Spielpfeife mit einfachem Rohrblatt (Klarinettenprinzip) und sind daher nicht überblasbar. Der Bock in Böhmen, Mähren und Südpolen stellt wohl die bekannteste Gruppe der osteuropäischen Dudelsäcke dar. Daneben sind die Gajda in Bulgarien, Mazedonien und Nordgriechenland, weiters der kroatische Dudelsack, der ungarische, der slowakische und manche mehr zu erwähnen.
Vom instrumentenbaulichen Aspekt gehört auch die schwedische Säckpipa zu den osteuropäischen Dudelsäcken. Ebenso gibt es speziell in Italien viele Dudelsacktypen, deren Spielpfeifen mit einfachem Rohrblatt ausgestattet sind.
CDs: Les Cornemuses d'Europe, Keltia Musique KMCD 018
www.keltiamusique.com/fr/affiche_un_disque.php?ref=KMCD18
