Respektzone Stephansplatz

Tags: • 

Ursula Stenzl gebar ihre neueste Idee, und zwar eine "Respektzone" rund um den Stephansplatz. Soll heißen, rund um den Steffl dürften nur noch kirchliche Umtriebe stattfinden!
Das würde das Ende sämtlicher Straßenkunst in dieser Gegend bedeutend, folklich auch der Straßenmusik...
- trotz dem "Lieben Augustin" als Stadtmaskottchen, ja, ja Wien, die Stadt der Musik! Daweil sieht's so aus, als ob die Idee gleich wieder in irgendeiner Pestgrube verschwindet, aber von dort sind schon ganz andere Scheintote wieder aufgetaucht...
Ich halte diese Tendenz zumindest für sehr beunruhigend und auf jedenfall sollte man das im Auge behalten.

Valentin's picture

allgemeiner Demoaufruf!!

Hallo Blasius,

also wir haben das Thema ja schon im TF-Keller besprochen,ich denke es ist an der Zeit möglichst viele GauklerInnen und MusikerInnen zusammen zu trommeln um eine Demo zu organisieren (sollte womöglich am Stephansplatz stattfinden;)), das ist ein jahrhundertealter Streit zwischen Kirche und Spielmännern/Frauen, da sollten wir KünstlerInnen nicht einfach klein bei geben! Ich werde morgen gleich mit Hubsi Pläne schmieden, er hat ja schon Demoerfahrung:),
es wird demnächst eine Mail an die Dudelsackbefreiungsfront zu diesem Thema rausgehen (ich setz dich in den Verteiler!),

jeder der sich hierfür einsetzen möchte möge mir bitte eine kurze Mail schicken (arnold1 [at] aon [dot] at),
ich denke dass sich da eine Menge Leute finden sollten, die Wiener Folk- bzw. Mittelalterszene ist ja nicht gerade klein! Ich werde das Thema auch bei der nächsten Mittelaltersession anreißen!
Dudelige Grüße
Valentin

http://www.trollferd.at.tt

Stoney's picture

Aktionismusformen

Vorab: ob's in dem Fall ein reiner Streit "Kirche versus Spielleute" ist, das bezweifle ich ein wenig. Meiner Meinung nach geht's eher um die derzeit leider allgemein verbreitete Reglementierung bzw. Enteignung oeffentlichen Territoriums, was natuerlich ebenso bedenklich ist. Vergleiche draengen sich auf: so mit der Saeuberung der Bahnhoefe von unerwuenschten "Stoerenfrieden" und mit Perversionen wie dem (angeblich gesetzlich verankerten) Verbot unbegruendeten Stehenbleibens - inkl. Bestrafung bei Zuwiderhandeln, so wie es Obdachlosen in der Mariahilferstrasse immer wieder passiert und dort offenbar auch System hat.

Die kath. Kirche ist im vorliegenden Fall offensichtlich einer der Spieler. Zusammen allerdings mit Politik und Wirtschaft - keine ungewoehnliche Kombination, sicher. Aber nur eine von mehreren moeglichen... Das Klima gegenueber unreglementierter Kunst im oeffentlichen Raum (und nicht nur dort) ist im roten Wien insgesamt kein sehr freundliches, nicht nur im schwarzen 1. Bezirk. (Wie's in anderen oesterreichischen Staedten aussieht, weiss ich nicht - auch nicht so rosig, denke ich mal).

Wie auch immer: Protest anzumelden, in welcher Form immer, ist mit Sicherheit absolut legitim.

Ich denke, im vorliegenden Fall macht uns ein Alleingang in Form von Musiker/innen-Aktionismus zwar vermutlich Spass, bewegt aber vermutlich relativ wenig. Vielleicht liesse sich eine groessere Allianz schmieden, z.B. mit dem Augustin zusammen, der ja in vielen Punkten aehnliche Ziele verfolgt bzw. aehnliche Missstaende anprangert. Es boete sich auch an, ueber eine konzertierte Aktion mittels unterschiedlicher Aktionsformen nachzudenken - nicht zu vergessen: Medienarbeit!

Bis dahin ist spontaner Guerilla-Protest (mit der Bombarde in der Kaisergruft oder im Burger-Restaurant usw.) vielleicht am zielfuehrendsten ;-)

Hier dazu was

Hier dazu was nettes:

Straßenkunstdarbietungen an öffentlichen Orten sind bewilligungspflichtig. Zu den Straßenkunstdarbietungen zählen Darbietungen, die
für kurze Zeit,
an öffentlichen Orten,
ohne eigens hierfür errichtete Aufbauten und Podien zu benutzen und
unentgeltlich veranstaltet werden.
Darunter fallen beispielsweise musikalische Darbietungen, Vorträge, Tanz- und Varieteevorführungen, Pantomimen ohne bühnenmäßige Ausstattung, Vorführungen von Zauberkunststücken, Puppenspiele und Portrait zeichner/innen.
Amtlicher Lichtbildausweis
Magistratsabteilung 36 - Eventcenter
20., Dresdner Straße 75, 4. Stock, Zi. 420
Erreichbarkeit
Telefon (+43 1) 4000-36339
Fax (+43 1) 4000-99-36336
E-Mail: event [at] m36 [dot] magwien [dot] gv [dot] at
Öffnungszeiten des Eventcenters:
Montag bis Mittwoch 7.30-15.30 Uhr
Donnerstag 7.30-17 Uhr
Freitag 7.30-15.30 Uhr
pro Platzkarte 6,54 Euro
Platzkartenvergabe: Zu Monatsbeginn für einen ganzen Monat, wobei einige Tage des Monats spielfrei sind. Ab einem gewissen Kontingent werden nurmehr Platzkarten für einzelne Tage ausgegeben.
Verordnung des Magistrates der Stadt Wien, betreffend die Bedingungen zur Darbietung von Straßenkunst in Wien (Straßenkunstverordnung 1998).

§ 3. Verordnung des Magistrates der Stadt Wien, betreffend die Bedingungen zur Darbietung von Straßenkunst in Wien (Straßenkunstverordnung 1998).

6. Blechblasinstrumente sowie Saxophone dürfen nur mit Dämpfereinsatz verwendet werden. Trommeln sowie laut oder hoch tönende Holzblasinstrumente sind nicht gestattet.
7. Die Verwendung von Tonträgerabspielgeräten darf nur zu unbedingt notwendigen inhaltlichen Unterstützung von Straßenkunstdarbietungen und nur dann erfolgen, wenn störende Auswirkungen auf die Umgebung, insbesondere Lärmbelästigung der Anrainer, ausgeschlossen sind. Ist dies nicht gewährleistet, hat die Verwendung dieser Geräte zu unterbleiben. Die Verwendung von Verstärkeranlagen ist keinesfalls gestattet.
8. Straßenkunst darf in jedem Fall nur in einer solchen Lautstärke ausgeübt werden, die eine unzumutbare Belästigung von Anrainern ausschließt. Sollten bei der Ausübung der Straßenkunst Mißstände auftreten oder aufzutreten drohen, ist von der Behörde im Sinne des § 5 Abs. 2 Wiener Veranstaltungsgesetz vorzugehen.

Stoney's picture

Ostermarkt auf der Freyung

scheint das nächste Opfer der großartigen Kämpferin gegen den musikalischen Schalldruck zu sein: mehr gerade im Online-Standard unter
http://derstandard.at/?url=/?id=2414261

Würde Stenzel mit ihrer "Grabesstille-Direktive" jetzt auch den Straßenverkehr im gesamten Bezirk verbieten, wär sie wenigstens konsequent. So aber ist das alles nur unsäglich peinlich.

PS: die Auftrittsmusik bei diversen von ihr kommentierten Eiskunstlauf-Bewerben war in den meisten Fällen nicht nur musikalisch unbedeutender, sondern sicher auch wesentlich lauter als die inkriminierten Livemusik-Geschehnisse. Aber man/frau vergisst ja so schnell... ;-(

Die "Demo"...

Die ursprüngliche Idee dieser Aktion
war es,auf friedliche und originelle Weise gegen den
"Besinnlichkeitszwang" zu demonstrieren.
Der "Kirche-Spielleute-Konflikt" ist ein gut illustrierbarer (und origineller) Aufhänger der ganzen Sache-vor allem,wenn man bedenkt,wieviele (Folk und MA)--Musiker allein hier in Wien zu finden sind..
Es wäre natürlich großartig,die ganze Sache auf dem Stephansplatz abzuhalten,am besten an einem Freitag (viele Besucher,kein Wochenende)..
Erkundigungen laufen.
Etwas wichtiges noch:
Ich hatte diese Sache an sich !UNPOLITISCH! geplant und eigentlich will ich nicht,daß diese Aktion,so sie etwas wird,als Trittbrett genutzt wird-weder von links noch von rechts,nicht von schwarz,rot oder grün und auch nicht von vatikanisch schwarz-gold...

Wenn sich Straßenkünstler aus anderen Sparten daran beteiligen wollen,
sind sie natürlich willkommen,was Obdachlose und andere mögliche Teilnehmer betrifft,gebe ich zu,wenig sinnvolle Kontakte zu haben.

Letztlich sei noch gesagt,daß diese Geste eine friedliche sein soll-
es geht um's vielzitierte Prinzip...
Sobald ich Näheres weiß,poste ich wieder.

Chiao,
Flo
(Trollferd)