Di Fidl Kapelye - traditionelle Klezmermusik aus Holland

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Di Fidl Kapelye
Eigenverlag
2005

Seit einigen Jahren nun gibt es "Di Fidl-Kapelye", eine junge Formation aus den Niederlanden, welche sich dem Klang jener osteuropäischen Klezmerensembles verpflichtet hat, die rein aus Streich-instrumenten zusammengesetzt waren.

So ist das erste, was bei dieser Gruppe auffällt, die Besetzung: zwei Violinen, ein Cello, ein Kontrabass und eine Tsimbl, das jüdische Hackbrett. Nicht zu vergessen ist die Oud, eine arabische Laute, die abwechselnd vom Kontrabassisten, Gregor Schaefer, gespielt wird. Obwohl natürlich kein traditionelles Instrument der Klezmorim, passt es sich ganz gut in den Klang der Gruppe ein.

Das zweite, was auffällt ist, wie unglaublich gut die Gruppe als Ganzes klingt.

Bei vier Streichinstrumenten plus Tsimbl sind die Arrangements wichtig, damit es abwechslungsreich bleibt. Di Fidl-Kapelye löst das bravourös, mal spielen alle heterophon wie beim schwungvollen Eröffnungsstück, dann wieder alle unison wie beim Stück Asher Nosam Lonu Toyres Emes, einem instrumental gespielten Shabes-Nign aus dem Repertoire des Geigers Leon Schwartz.
Besonders schön auch, wenn nur die beiden Violinistinnen, Madelin Verheij und Jiska ter Bals, zusammen spielen, wie bei Haneros Hanelu, einem technisch anspruchsvollen Stück das wunderbar übergeht in das Stück Khasin U Rabina. Letzteres ist mittlerweile im Repertoire einer nicht unwesentlichen Zahl von Gruppen zu finden, nicht immer kommt das Wesen der Melodie so gut zur Geltung wie hier. Sehr zart und frisch am Anfang, um dann im Verlauf des Stückes aber doch eine große Intensität zu entwickeln. Alleine der ersten paar Takte wegen ist das Album den Erwerb wert.
Überhaupt ist die Stückauswahl zu loben. Neben eher wenig gespielten, aber sehr schönen Stücken des Klezmerrepertoires gibt es auch einige Eigenkompositionen zu hören, die durchaus gelungen sind, so zum Beispiel das Stück Dreylechs vom Bassisten Gregor Schaefer. Einzig das letzte Stück, eine Instrumentalversion des Liedes Di Zun Vet Aruntergeyn, scheint nicht so ganz zum Rest dazupassen. Das Stück hat sich wohl unerlaubt zu den anderen gesellt.
Bemerkenswert und zu erwähnen ist die Tatsache, daß die Platte zum Teil ein Konzertmitschnitt ist, was man aber (fast) nicht bemerkt, da der Applaus rausgeschnitten wurde. Das Booklet ist leider nicht sehr informativ, einige Anmerkungen zu den einzelnen Stücken wären nicht verfehlt gewesen.

Nochmals zu den Protagonisten selbst: im Booklet ist zu lesen, das sie sich ihre Inspiration durch die Teilnahme an Festivals der jüdischen Musik holen. Was daraus wird, ist deutlich zu hören, und wenn man sich ansieht und vor allem anhört, was hier eine neue Generation von Klezmorim vollbringt, braucht einem um die Zukunft dieser Musik nicht bange zu sein.

Fazit:
ein gelungenes und bemerkenswertes Debut einer Gruppe junger Klezmer-Begeisterter aus den Niederlanden, von der man hoffentlich noch einiges hören wird.

Zu beziehen ist die Platte nur über die Homepage der Gruppe.

#1 - Europeische Kolomeike
#2 - Sha Sha die Shviger Kumt
#3 - Hat a Jid a Weybele
#4 - Asher Nosam Lonu Toyres Emes - Yoym Hashabes
#5 - Sarba
#6 - Doina - Freylakhs
#7 - Hora Djoeke
#8 - Rumeinishe Fantasie no 2
#9 - Ukrainian Kolomeike
#10 - Bughici's Terkisher - Bulgar
#11 - Dreylechs - Freylakhs
#12 - Haneros Halelu - Khasin U Rabina
#13 - Yiddishe Honga - Tartarisher Longa
#14 - Ahava Rabo - Tayere Odessa - Tsum Badekns
#15 - Di Zun Vet Aruntergeyn