Akkordeonfestival 2006 - Michel Macias Quartett und Riccardo Tesi & Banditaliana am 4. März im Baumgartner Casino
Im übervollen Baumgartner Casino gab es von Michel Macias und seinem Quartett eine Musik zu hören, die sehr nach Sommer klang und den Schneefall draußen vor der Tür schnell vergessen ließ. Natürlich blieb der Schwerpunkt des Sets bei Musik aus der Gascogne, aber neben sehr schön vorgetragenen Musettewalzern, teils solo, teils im Duett mit dem Geiger der Gruppe, spielte Macias auch Stücke mit Flamencorhythmen oder ungeraden bulgarischen Taktarten. Sehr gelungen waren die Lieder, die Macias gemeinsam mit seinem Sohn Vincent, der an der Gitarre wirkte, sang. Ebenfalls beeindruckend auch ein Stück, bei der der Akkordeonist Macias sein Solo Note für Note mitsang. Man kennt das auch von anderen Jazzmusikern, aber bei Macias wirkte es keinesfalls aufgesetzt sondern fügte sich sehr schön in den Klang des Stückes ein. Noch zu erwähnen ist der hervorragend spielende Mann an der Bassgitarre, ein gewisser Eric Dubosq.
Den zweiten Teil des Abends bestritt der wohl bekannteste Vertreter italienischer World Music, Riccardo Tesi und seine Banditaliana. Während Michel Macias klar als Chef seiner Truppe agierte, hielt sich Tesi auffallend zurück und ließ seinen Kollegen ausreichend Platz zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Am Beginn des Sets spielte Tesi sehr lyrisch. Ruhig aber keineswegs verhalten begleitete er den Gitarristen und Sänger Maurizio Geri, der mit wunderbarer Stimme italienische Canzone sang. Sehr quirlig der Saxofonist der Gruppe, der von Sopransax über Baritonsax und Altsax alles spielte, und auf der Bühne ständig umherwanderte. Sein Spiel war äußerst präzis und druckvoll, aber nicht aufdringlich. Auch der Mann am Schlagzeug spielte mit dem Vibraphon ein zweites Instrument, dessen Klang sehr gut zu der Musik von Tesi passte. Gegen Ende des Sets wurden die Stücke immer kraftvoller. Von Tarantellas und anderen traditionellen Tänzen Italiens ging es zurück zu einem Canzone, das am Schluss der dritten Zugabe stand. Tesi übrigens war nicht nur sehr spielfreudig, sondern auch ein gewitzter Moderator seiner Musik, ausgestattet mit selbstgebastelten Wörterbuch. Die Musik tat ihr übriges und entließ die Konzertbesucher gut gelaunt in den Schnee zurück, der wohl nicht mehr ganz so schlimm war.