Der Folkboom ist vorbei (?)

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Man darf, so denke ich, auch ganz andere Schlüsse ziehen als der Autor jener online verfügbaren CD-Kritik des 2002 erschienen Albums der deutschen Folkrocker "Fiddler's Green", wenn er schreibt, "dass sich Jiggs [sic!] und Reels, sowie gälische Klagerufe, unterstützt von lustiger Folk-Polka schlicht und ergreifend überlebt haben".

Hmm, "überlebt"... wie überlebt sich eine Tradition? Könnte sich der Autor evtl. noch nicht zu der Erkenntnis durchgerungen haben, dass es unterschiedliche musikalische (Sub)Kulturen parallel wohl immer gegeben hat, heutzutage noch mehr als früher, wenn auch nicht immer gleich stark präsent im Blickpunkt der medialen Öffentlichkeit. Dass Fortschrittsgläubigkeit, auch im (pop)kulturellen Bereich, sowieso ein fragwürdiges Unterfangen ist.

Gut, vielleicht mag er diese Musik ja einfach nicht... die folgenden Zeilen, gemünzt auf den deutschen Folkrock-Boom vor allem der 90er, mit Bands wie Moyland, Paddy Goes to Holyhead oder eben auch Fiddler's Green, scheinen mir, obwohl vielleicht etwas boshaft, aber doch eine gewisse Berechtigung zu haben:

"Party-Folk-Punk und geliehene Identität ist (...) kein auch nur halbwegs ernsthaftes Fundament, um die soziale Brisanz und das politische Engagement der britischen Vorbilder beerben zu können. Kurzum, die Party wurde gefeiert, die Message blieb auf der Strecke, oder karikierte sich subkutan und geradezu automatistisch in ornamentaler Tatoo-Symbolik oder, in weniger nachhaltigem Gewand, in Form von Glücksklee T-Shirts. "

Der ganze Artikel kann nachgelesen werden auf:
http://www.noize.cc/reviews/main.php?p_id=1749

Bernhart's picture

soziale brisanz

mir kommt vor der kritiker glorifiziert die irischen bands: es gab und gibt sicher irische bands mit hohem engagement (da gehören beispielsweise die dubliners sicher dazu). aber ich traue mich zu sagen, dass die meisten bands einfach nur freude an der musik haben.
und dass man diese freude nicht haben darf, wenn man nicht im betreffenden sozio-kulturellem umfeld aufgewachsen ist, halte ich für *********. will sagen: nicht gerechtfertigt ;-)
have fun,
bernhart

Wenn man sich die Mühe

Wenn man sich die Mühe macht und weitere Artikel des Autors sucht, kann man feststellen, dass er Musik und das damit verbundene Geschäft wohl nicht miteinander verbunden sehen möchte.
Da es aber leider untrennbar einhergeht ist es leicht sich darüber auszulassen und Unterstellungen von sich zu geben.
Angenehm, wenn er dafür bezahlt wird, wo sich der Kreis ja wieder schließt. Oh wie verwerflich!
Ob er über Pop, Rap oder Folk schreibt ist egal, hauptsache die Kohle stimmt.
Was die Musiker wirklich dabei fühlen, können nur sie selber schreiben.

antonia's picture

ich sag nur: Flogging Molly

ich sag nur: Flogging Molly